Faser & Papier 2030
Faser & Papier 2030
Nachwachsende Zukunft gestalten

Umwelt im Fokus

Das Szenario führt sich schon heute abzeichnende Entwicklungen fort: Ein Großteil der auf weit über neun Milliarden Menschen angewachsen Weltbevölkerung lebt nun in Megacitys. Deutliche Auswirkun­gen des Klimawandels (z. B. Wassernot, Hochwasser, Versteppung weiter Landstriche) haben zu strate­gischem Umdenken geführt: Grüne klimaneutrale Technologien werden nicht mehr nur gefördert, sondern gefordert. Stetiger Preisanstieg beim Trinkwas­ser brachte eine neue Industrie zu Gewinnung und schonendem Einsatz der wertvollen Ressource hervor. Zunehmender Verlust landwirtschaftlicher Flächen begünstigte neue Technologien, die eine effizientere und ressourcenschonendere Nahrungsmittelproduktion ermöglichen. Zugleich ist der Stellenwert effizien­terer Nutzung von Lebensmitteln gewachsen.Diese Veränderungen werden sich drastisch auf die Papierindustrie auswirken, klare Risiken, aber auch Chancen bringen. Vor allem die Entwicklung CO2­neutraler Produkte wird zunehmend bedeutsam für eine breite Zustimmung zu papierbasierten Produkten auch bis zum Ende des Jahrhunderts. Eine weitere Produktdiversifizierung zur Erschließung neuer Märkte erscheint unumgänglich für den künftigen Erfolg der Papier- und Zellstoffindustrie.

Prämissen 2050

  • 9–10 Milliarden Menschen Weltbevölkerung; 2/3 davon leben in Städten.
  • Durch Klimawandel gestiegene Nachfrage nach Hochwasserschutz und Bewässerungssystemen, Nachfrage nach effizienterer Nahrungsmittelproduktion und Bereitstellung von sauberem Trinkwasser ist nur mit umweltfreundlichen Produkten und auf grünen Technologien basierenden Prozessen zu befriedigen.
  • Neue Produktionsflächen für vegetarischen Nahrungsmitteln in bisher unfruchtbaren Gebieten (autarke Gewächshäuser), in Städten (Vertical Farming) und im Meer (Aqua Farming) sind nachhaltig erschlossen; Flächenbedarf der traditionellen Landwirtschaft gesunken; höchste Nahrungsmittelausbeute durch gezielten Einsatz von Bewässerung und Düngemitteln.
  • Fleisch wird im Großlabormaßstab produziert. Gesündere und physiologisch ausgewogenere Ernährung durch Functional Food aus „Essensdruckern“ mit individuell dosierten Inhaltsstoffen. Überwachung von Körperparametern in der Kleidung lässt Krankheiten und Gefährdungen früher erkennen; Verbrauch an Medikamenten sinkt – ebenso die Menge des Lebensmittelabfalls.
  • Innovative Verpackungen sorgen aktiv für Frische und Haltbarkeit von Lebensmitteln, steigern zugleich deren Sicherheit (Frische-Indikator) – auch in entlegenen Gebieten.
  • Neue Technologien für die Trinkwasserversorgung: vielfach lokale und dezentrale Aufbereitung von Regen-, Brauch- und Abwasser.

Papiernahe Ideen bis 2030

  • Klimakontroll-Folien: Landwirte können dank Folien aus Papier Erträge trotz Negativwirkungen der globalen Erwärmung steigern; die Folien erlauben sowohl eine Filterung gestiegener UV-Belastung als auch gezieltes Wassermanagement für die Pflanzen; optimales Klima für Nutzpflanzen wird geschaffen.
  • Nahrungsmittelproduktion: Rekultivier-Papiere helfen bei Begrünung versteppter Gebiete und Industriebrachen, bei Anzucht von Nutzpflanzen; gezielt mit Dünger kombiniertes Saatgut auf papierbasiertem Trägermaterial lässt sie optimal starten, schützt Samen vor Fressfeinden und Erosion, übernimmt Wasserregulation in den ersten Monaten, verrottet nach dem Anwachsen.
  • Trinkwasserreinigung: Einsatz von Papier als Nanofiltermaterial dank smarter Beschichtung – selbst kleinste Partikel von Medikamenten, Hormone, Bakterien und Viren werden in kommunalen Klär­anlagen separiert; parallel entscheidender Beitrag zur Trinkwasserversorgung durch Meerwasserentsalzung.
  • In aller Munde: Papier wird selbst Nahrungsmittel dank Ausstattung mit Vitaminen und Mineralien – geringer Kaloriengehalt, schnelle Verfügbarkeit und tausende Geschmacksrichtungen.

Papierferne Ideen

  • Smart Living: intelligente Verpackungsmaterialien mindern Verschwendung von Lebensmitteln; tragen zu drastischer Erhöhung der Mindesthaltbarkeit bei; Angaben dazu werden der Umgebung kommuniziert – der Kühlschrank weiß, womit er gefüllt ist und was wegen nahenden Verfalls zeitnah auf den Tisch sollte.
  • Schwimmende Inseln: Ozeane werden wegen rasanten Bevölkerungswachstums als Wohn- und Landwirtschaftsflächen immer interessanter; Werften haben ganz neuen Markt für riesige künstliche Inseln; Energie- und Nahrungsmittel-Farmen entstehen auf dem Wasser.
  • Kunststeak: dank rasanter Fortschritte der Lebensmitteltechnologie nicht mehr unterscheidbar, ob ein Steak vom Bauernhof kommt oder bakteriell erzeugt; bei gleich gutem Geschmack ist das künstliche Steak in der Öko-Bilanz jedoch überlegen und durch den ausgeglichenen Nährstoffmix gesünder.
  • Hydrokulturen: Nutzung von Papierwolle zur Aussaat und Aufzucht von Jungpflanzen.